Die PolitArche

PolitArche, Die PolitArche

Projekt PolitArche

Schiff-Installation

So ist ab März 2019 in der Kul­tur­kir­che Ost in Köln-Buch­forst mit der soge­nann­ten PolitAr­che das jüngs­te Pro­jekt der Grup­pe zu sehen, an dem alle Mit­glie­der gemein­sam gear­bei­tet haben. In dem gro­ßen Kir­chen­raum wird ein sechs Meter lan­ges und 1,80 Meter hohes Schiff aus Recy­cling-Mate­ri­al auf­ge­baut sein, das mit „Über­le­ben­den“ in Form von run­den Ste­len bestückt ist. Die Ste­len ste­hen reprä­sen­ta­tiv für skru­pel­lo­se Dik­ta­to­ren und bru­ta­le Kriegs­trei­ber, für rück­sichts­lo­se Wirt­schafts­un­ter­neh­men, die Umwelt­ver­schmut­zung im gro­ßen Stil betrei­ben, für die gefähr­lichs­ten Sek­ten der Welt und ande­ren Insti­tu­tio­nen, von denen nichts Gutes aus­geht. In der PolitAr­che sit­zen die Sinn­bil­der von Men­schen und Kon­zer­nen, die sich aus Gier an Macht und Geld auf Kos­ten der Welt­be­völ­ke­rung berei­chern. Waren in der Ver­gan­gen­heit die Kri­sen noch lokal begrenzt, ist spä­tes­tens seit Beginn des 21. Jahr­hun-derts eine Glo­ba­li­sie­rung der Pro­ble­me all­ge­gen­wär­tig. Poli­tik, Wirt­schaft und Umwelt sind der­ar­tig ver­floch­ten, dass eine welt­wei­te Kri­se nicht mehr auf­zu­hal­ten scheint.

Auch im Kunst­han­del und Aus­stel­lungs­we­sen ist der glo­ba­li­sier­te Blick auf die Welt zu beob­ach­ten. So wer­den schon seit Jah­ren in nam­haf­ten Gale­ri­en und in den gro­ßen Aus­stel­lun­gen der west­li­chen Avant­gar­de, wie der Bien­na­le in Vene­dig oder der docu­men­ta in Kas­sel, neben Wer­ken von euro­päi­schen und nord­ame­ri­ka­ni­schen Künst­lern auch sol­che von Kunst­schaf­fen­den aus Afri­ka, Asi­en und Latein­ame­ri­ka prä­sen­tiert. Doch sind es nur weni­ge Pri­vi­le­gier­te, die für die­se Schau­en aus­ge­wählt wer­den. Unab­hän­gig vom offi­zi­el­len Kunst­be­trieb müs­sen die Künst­ler selbst die Initia­ti­ve ergrei­fen, um sich über alle Gren­zen und Kon­ti­nen­te hin­weg aus­zu­tau­schen. Die Grup­pe Bar­rio Lati­no pflegt seit ihrem Bestehen den Dia­log zwi­schen den Kon­ti­nen­ten. In den Pro­jek­ten der Grup­pe wer­den – wie in der PolitAr­che – aktu­el­le gesell­schaft­li­che The­men auf­ge­nom­men, doch ist es den Mit­glie­dern von Bar­rio Lati­no auch wich­tig, sich auf sich selbst zu besin­nen und die Unter­schied­lich­keit zu akzep­tie­ren; denn nur durch respekt­vol­len Aus­tausch und mit Tole­ranz kann Nega­ti­ves in Posi­ti­ves gewan­delt wer­den. Die sie­ben Künst­ler von Bar­rio Lati­no ver­eint die Phi­lo­so­phie, Indi­vi­dua­li­tät zuzu­las­sen und zu respek­tie­ren. Als Grup­pe wol­len sie mit ihrer Kunst gemein­sam Brü­cken schla­gen zwi­schen ihren Träu­men und der Rea­li­tät, zwi­schen den Klang­wel­ten der bil­den­den Kunst und der Musik und vor allem zwi­schen den Kul­tu­ren und Men­schen in Euro­pa und Latein­ame­ri­ka – ein Cre­do, das auch in der glo­ba­li­sier­ten Welt des 21. Jahr­hun­derts nicht an Aktua­li­tät ver­lo­ren hat.

Chris­tia­ne Pick­artz,
Kunst­his­to­ri­ke­rin

Foto: Anto­nio Usca­te­gui